Türkischer Kaffee: Zubereitung, Geschichte & mehr

Türkischer Kaffee, auch Mokka bezeichnet, ist etwas Besonderes. Er hat eine so lange Tradition und ist so stark in der Kultur verankert, dass er 2013 in die Liste der immateriellen Kulturerben der Unesco aufgenommen wurde. Es ist die älteste Zubereitungsart von Kaffee, die wir heute kennen. Auf uns wirkt sie durchaus ungewöhnlich. Schließlich wird bei türkischem Kaffee auch das Pulver direkt im Wasser aufgekocht und mit in die Tasse geschenkt.

Mokka


Zubereitung von Türkischem Kaffee

Türkischer KaffeeBei der Zubereitung werden zunächst Wasser und Zucker in eine traditionelle Messing- oder Kupferkanne gefüllt. Sie wird als Ibrik bezeichnet. Der Inhalt wird auf einer Feuerstelle zum Kochen gebracht. Siedet das Wasser, muss das Kaffeepulver eingefüllt werden. Es ist sehr fein gemahlen und hat eine nahezu staubartige Konsistenz.

Diese erleichtert die Vermischung mit dem Wasser. Ist das Kaffeepulver eingefüllt, muss das Gemisch zweimal aufkochen. (Quelle) Beim ersten Mal sollte so lange gewartet werden, bis der türkische Kaffee beinahe überkocht. Kurz davor muss die Kaffeekanne von der Feuerstelle genommen werden. Dabei wird der Schaum zum Teil abgeschöpft. Jeweils ein Löffel wird in jede Tasse gegeben. Diese sind etwa so groß wie herkömmliche Espressotassen.

Ist das geschehen, ist Geduld gefragt. Vor dem zweiten Aufkochen sollte sich der Schaum nahezu vollständig gesetzt haben. Nun muss der Mokka noch einmal aufgekocht werden, bis sich Schaum gebildet hat, ehe er in die Tassen gefüllt wird. Ist das Kaffeepulver einmal im Wasser, muss darauf geachtet werden, dass es unter dem Siedepunkt gehalten wird. Ansonsten lösen sich Bitterstoffe, die den Geschmack negativ beeinflussen.


Türkischer Kaffee: Vor dem Trinken einige Minuten warten

Türkischer Mokka KaffeeVor dem Trinken muss ein weiteres Mal gewartet werden. Schließlich geht es darum, dass der Kaffee auf den Boden der Tasse sinkt. Nach fünf Minuten sollte er sich vollständig gesetzt haben.

Ein türkischer Kaffee wird traditionell sehr heiß serviert. So bleibt genügend Zeit, in der der Schlamm sinken kann und das Getränk eine angenehme Trinktemperatur erreicht. Außerdem werden die Tassen kurz mit heißem Wasser ausgespült, bevor der türkische Kaffee in sie gefüllt wird.

Auch dadurch kann das Getränk seine Wärme möglichst lange behalten. Damit das Kaffeepulver nicht erneut aufgewirbelt wird, sollte auch auf das Umrühren vor dem Trinken verzichtet werden. Deswegen sollte bereits beim Erhitzen die richtige Menge Zucker verwendet werden. Den türkischen Kaffee nach zu süßen, ist nicht möglich. Stattdessen wird er mit orientalischen Gewürzen wie Nelken, Kardamom oder Zimt verfeinert. Mehr Infos dazu in diesem Beitrag der Stuttgarter Zeitung

Im Wesentlichen wird bei der Zubereitung zwischen vier Arten unterschieden, bei denen der Zuckeranteil ausschlaggebend für die Bezeichnung ist. Entsprechend wird der türkische Kaffee mit einer großen, mittleren oder kleinen Menge Zucker aufgekocht. Manchmal wird sogar vollständig auf Zucker verzichtet.

Als grobe Orientierung für die Zubereitung gelten folgende Mengen:

  • 1 gehäufter Teelöffel Kaffeepulver
  • 1 Teelöffel Zuckeranteil
  • 50 Milliliter Wasser

Das Trinken von türkischem Kaffee war eine Straftat

Ein türkischer Kaffee hat durch das Beimischen des Pulvers eine zähflüssige, beinahe sirupartige, Konsistenz. Außerdem ist sein Koffeingehalt sehr hoch. Beträgt die Menge des gelösten Koffeins bei einem herkömmlichen Filterkaffee bei durchschnittlich 90 Milligramm, liegt sie bei einem türkischen Mokka mit 130 Milligramm deutlich darüber (Quelle). Verwendet wird übrigens der ursprünglich aus Äthiopien stammende Arabica-Kaffee. Diese Art der Kaffeezubereitung ist nicht nur in der Türkei populär. Auch in vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens wird das Heißgetränk nach diesem traditionellen Vorgehen aufgegossen.

Ein türkischer Kaffee wird als kahve bezeichnet. Wer in der Türkei einen Filterkaffee erhalten möchte, sollte im Kaffeehaus entweder einen Amerikan kehvesi oder einen filtre kahve bestellen.

Kaffee hat in der arabischen Kultur nicht nur eine Funktion als Nahrungs- und Genussmittel. Auch im sozialen Leben spielt er eine Rolle. Diese nahm der Mokka schon ein, kurz nachdem er im 16. Jahrhundert als Gastgeschenk nach Konstantinopel (heutiges Istanbul) gebracht wurde. Innerhalb kurzer Zeit etablierte sich die Kaffeehauskultur.

Das gemeinsame Kaffeetrinken stieß allerdings auf Kritik der Geistlichen, die es einstweilen sogar unter Todesstrafe stellten. Zu Beginn des 17. Jahrhundert hob der damals amtierende Sultan dieses Verbot allerdings wieder auf. Das Kaffeetrinken fand danach allerdings nicht mehr in der Öffentlichkeit statt, sondern verlagerte sich zunehmend in den privaten Lebensbereich.


Türkischer Kaffee entscheidet über die Zukunft einer Familie

Arabischer Kaffee ZubereitungHeute erfährt er eine große Wertschätzung. Ein türkischer Kaffee wird nicht als To Go-Kaffee unterwegs getrunken. Sowohl die Zubereitung als auch der Genuss haben einen fast schon zeremoniellen Charakter. Das bedeutet, der türkische Mokka wird beispielsweise zum Beginn eines wichtigen Treffens getrunken oder als Ausklang des Tages. Viele Mahlzeiten werden mit dem Trinken eines türkischen Kaffees abgeschlossen.

Übrigens gibt es in der Türkei ein Ritual, das über die Zukunft eines potenziellen Brautpaares entscheidet. Dazu versammelt sich die Familie des Bräutigams bei der Familie der Braut. Am Ende des Abends wird die Braut für alle einen türkischen Kaffee zubereiten. Nur bei ihrem potenziellen Bräutigam wendet sie ein anderes Rezept an: Statt Zucker verwendet sie Salz. Wenn der Bräutigam den Kaffee trinkt, achten alle versammelten Gäste auf seine Reaktion. Zeigt er keine Reaktion, gilt er als anpassungsfähig, was als Zeichen für einen guten Charakter gesehen wird. Ist ihm allerdings anzusehen, dass der servierte anwidert, wird die Familie der Braut raten, die Wahl des Partners noch einmal zu überdenken.


Der Kaffeesatz bestimmt die Zukunft

Ebenfalls seit vielen Jahrhunderten ist die Kaffeesatzleserei in der Kultur verankert. Bis heute findet sich in vielen Kaffeehäusern ein Spezialist, der aus den Rückständen in der Tasse die Zukunft des Kaffeetrinkers vorhersagt. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen, wird die Untertasse auf die Kaffeetasse gelegt. Anschließend wird diese umgedreht und dabei ein Wunsch ausgesprochen.

Hat sich der Inhalt auf dem Teller ausgebreitet, kann dieser gedeutet werden. Heute benötigt man dazu allerdings nicht mehr zwangsläufig einen Experten. Im Internet finden sich viele Hinweise, welche Zeichen im Kaffeesatz erkannt und gedeutet werden können. Ob man allerdings an die Vorhersehungen glaubt, ist ebenso wie bei dem Ritual des Brautpaars jedem selber überlassen.

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